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ERSTER NACHWEIS DES LÖSCHWESEN STEINBACHS

 

"Aus den Akten des Steinbacher Archivs" herausgesucht von Rudi Liebich


Die älteste Verordnung für das Feuerlöschwesen, die sich im Archiv der Ortsverwaltung Steinbach befinden, sind datiert auf den 11. Mai 1827.

Hierin verordnet das großherzogliche Bezirksamt : "Das jeder Bürger einen Feuereimer haben muss und im Gemeindemagazin so viele Feuereimer sein müssen, wie Bürger und Hintersassen (Landleute) in Steinbach leben".
"Bei Neuaufnahme eines Bürgers muss derselbe einen Feuereimer nachweisen und gleichzeitig muss einer für das Magazin angeschafft werden."

Auf diese Verordnung schreiben die Kirchspielvorstände von Steinbach und Neuweier am 17. Juni 1827 an das großherzogliche Bezirksamt, dass die "Feuereimer streng in Schutz genommen würden". Zur Brandbekämpfung "hat man sich großer Leitern bedient, diese an der Brandstelle mit möglicher Anstrengung aufgerichtet und das Wasser in den Eimern von Hand zu Hand auf die höchsten Häuser mit Lebensgefahr zum Löschen gebracht. Die aufgeschütteten Geschirre wurden sodann mit aller Sorglosigkeit von oben schroff denen Gegenwärtigen unwillkommen herunter geworfen. Der Grund, dass man die Eimer aus Leder gemacht, mag darin liegen, dass erstens dieselben bei so unhöflicher Verwendung nicht so leicht beschädigt wird". In der gleichen Verordnung steht weiter darin, dass besonders in Steinbach vortreffliche Spritzen vorhanden sind "welche das Wasser über die höchsten Gebäude treiben".

In einer Verordnung vom 17. Juli 1836 wird dem Bürgermeister veranlasst, öffentlich zu verkünden "im Verlauf von vier Wochen, vom Tag der Verkündigung dieser angerechnet, muss jeder Bürger seinen Feuereimer dem Bürgermeister der Gemeinde vorzeigen und dort zur Bezeichnung niederlegen. Wer dieses unterlässt wird mir 2 fl (Gulden) oder 2-tägigem bürgerlichen Gefängnis bestraft und ihm einen Feuereimer auf seine Kosten angeschafft." Am 5. Juli 1836 bittet der Bürgermeister von Steinbach das großherzogliche Bezirksamt es mit den Feuereimern nicht zu streng zu handhaben da jeder hiesige Einwohner 2 bis 3 Ständel habe und die meisten bei Ausbruch eines Brandes solche mitnehmen würden.

Von Zeit zu Zeit wurde das Bürgermeisteramt angewiesen eine Aufstellung der vorhandenen Löschgeräte zu fertigen. So geschah dies auch im Jahre 1844 worauf das großherzogliche Bezirksamt schrieb, dass zu den vorhandenen Feuerlöschgeräten noch ein Feuerhaken, 28 Feuereimer, 200 Pechkränze und 8 Pechpfannen angeschafft werden müssen.

Aus dem Jahre 1844 finden wir ein Verzeichnis über die vorhandenen Feuerlösch- und Rettungsgerätschaften. Die Gemeinde Steinbach hatte damals eine Seelenzahl von 2125, davon waren 354 Bürger. Häuser gab es zu dieser Zeit 326.

An Löschgeräten waren vorhanden: eine Feuerspritze (gefertigt von Mechanikus Nuss in Steinbach), eine Fahrspritze mit Schläuchen, 72 Feuereimer, Feuerleiten, Feuerhaken, 6 Pechpfannen, 300 Pechkränze, 36 Pechfackeln und 3 Laternen.

Die Löschgeräte waren auf dem Rathaus aufbewahrt "welches nicht zu trocken und nicht zu feucht ist".

Weiter befindet sich in den Akten die namentliche Aufstellung der Mannschaften. Die Männer der Spritzenmannschaft wurden mit dem französischen Namen "Pompiers" bezeichnet.

Die Löschmannschaft von Steinbach wurde auch zu Bränden in den Nachbargemeinden gerufen. Bürgermeister und Gemeinderat der Stabsgemeinde Sinzheim bedankten sich in dem Schreiben vom 31. März 1858, welches folgenden Inhalt hat "der verehrten Löschmannschaft der Stadt Steinbach, insbesondere den werten Gemeindevorständen, dem Herrn Bürgermeister Oser mit Herrn Gemeinderat Fleischer von da, sagen wir für ihren bei gestrigem hier vorgefallenen Brandunglück, so schnell geleitete Hilfe und tätiges Auftreten, unseren verbindlichen Dank".

 

 

 

DIE GRÜNDUNG DER STEINBACHER FEUERWEHR

 

Auszug aus den Festschriften zum 50. Jährigen Bestehen der Feuerwehr :


"Es waren die Jahre 1870/71, die mit der Freude an den großen Erfolgen unseres Heeres im Kampfe gegen Frankreich und mit der Freude an den von unserm großen Bismarck geeinigten deutschen Vaterland auch in unsern kleineren Städten und Gemeinden den Gemeinschaftssinn und Sinn für die Zusammenschluss des bodenständigen Bürgertums in die Erscheinung treten ließen.

Neben dem Aufleben der Krieger- und Militärvereine, der Gesang- und Turnervereine drängte sich das Streben des Bürgers hervor, den alten, man kann sagen altmodisch gewordenen, unorganisierten Feuerschutz zu vervollkommnen und aus ihm etwas zu machen, das im Ernstfall einem Jeden half, Haus und Herd gegen die zerstörende Macht der Naturgewalten zu schützen."

Mit diesen beiden Sätzen begann der Rückblick auf die ersten 50 Jahren, und zeigt auch den Ursprung der organisierten Brandbekämpfung in Steinbach.

Somit wuchs in Steinbach ebenfalls der Gedanke, sich zusammen zu tun um anstatt des alten Löschwesens eine neuzeitliche Feuerlöschorganisation zu erschaffen. Dies war nicht so einfach, denn die zu damaliger Zeit engen wirtschaftlichen Verhältnisse und vielleicht auch engherzige Ansichten standen der raschen Entwicklung zunächst im Wege. Doch führende Bürger wie Apotheker Karl Stehle, Adolf Nesselhauf, Anton Walterspiel und viele andere setzen sich schließlich durch, sodass am 6. März 1877 mit Zustimmung des damaligen Gemeindeoberhauptes, des Bürgermeisters Josef Oser, die Freiwillige Feuerwehr Steinbach gegründet wurde. 
Treu dem Wahlspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" schlossen sich 86 Männer verschiedenen Alters und Berufe zusammen zur Steinbacher Feuerwehr.

Der Aufbau und die Gliederung erfolgten nach dem, der Rastatter Feuerwehr, die auch mit Rat und Tat beim Aufbau der Steinbacher Wehr zur Seite stand. Dadurch bekam die Rastatter Feuerwehr die Patenschaft, bei der Taufe der Feuerwehr Steinbach. Als Statuten wurden, wie das Protokollbuch sagt, die der Schwarzacher Feuerwehr-Satzungen angenommen.

Bei den Wahlen des ersten Kommando, das bei der Gründung erfolgte, wurden der Apotheker Karl Stehle erster Kommandant (1877 - 1883), Kaufmann Adolf Nesselhauf wurde zweiter Kommandant (1877 - 1883) und Kaufmann Anton Walterspiel wurde Adjutant (1877 - 1907).

Die 86 Wehrmänner Feuerwehr Steinbach wurde neben dem Kommando auf vier Abteilungen und einem Verwaltungsrat verteilt. Jede der Abteilungen wählten ihre Abteilungsführer.

Bei der Abteilung Arbeitsmannschaft :
- Obmann : Zimmermeister Johan Geiges
- Stellvertreter : Waldhüter Josef Hochstuhl

Bei der Abteilung Rettungsmannschaft Steiger :
- Obmann : Maurermeister Wilhelm Weiß
- Stellvertreter : Zimmermeister August Huber

Bei der Abteilung Rettungsmannschaft Austräger :
- Obmann : Waldmeister Johann Ziegler
- Stellvertreter : Gemeinderat Anton Lang

Bei der Abteilung Spritzenmannschaft :
- Obmann : Gastwirt Leopold Strack
- Stellvertreter : Bierbrauer August Götz

Und bei der Abteilung Wachmannschaft :
- Obmann : Polizeidiener Karl Hörth

Zum Verwaltungsrat gehörten Metzgermeister Wilhelm Ziegler, Gastwirt Ludwig Ehinger und Hauptlehrer Mathäus Kern.

An Löschgeräten übernahm die junge Wehr die vorhandenen Bestände :

- 1 Saug- und Druckspritze, Baujahr 1876 ( Heute immer noch im Besitz der Feuerwehr),
- 2 Druckspritzen älterer Bauart,

alle drei auf Fahrgestell

- 1 kleine tragbare Handspritze,
- 2 Aufstellleitern je 12 m lang,
- 1 Rettungskorb mit Flaschenzug,

sowie Feuereimer, Pechkränze mit Fackelständern, Pechfackeln, Tragbütten und wenig Schlauchmaterial.
Die Bestände wurden mit 5 Hackleitern ergänzt.

Die Geräte waren im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht, bis beim Schulgebäude ein Spritzenhaus mit Steiggerüst erbaut wurde, indem die Gerätschaften nun aufbewahrt werden können.

Die Entwicklung der jungen Wehr fand durch die Gemeindeverwaltung nachdrücklich Unterstützung, besonders das tatkräftige Handeln von Kommandant Stehle veranlasste den Bürgermeister Oser alle der Forderung dienenden Maßnahmen zu billigen. Vom Kommandanten bis zum Wachmann widmete sich jeder einzelne mit Hingabe und Eifer der Feuerwehrsache. Die vielen Exerzier- und Geräteübungen wurden von allen fast ausnahmslos eifrig und vor allen pünktlich besucht. 

Die gesamte Mannschaft - 3. Generation

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